Archiv der Kategorie: Saal

Vorbereitung Saalworkshop: Erstes Fenster nach 50 Jahren geöffnet

von Ralf Lesjak

Wir sind mitten in den Vorbereitungen für den Saalworkshop. Es gibt viel zu räumen und zu träumen. Unter dicken Staubschichten kam die Orginalbestuhlung zum Vorschein. Die Bühne wurde provisorisch hergerichtet. Sogar ein Modell vom Saal gibt es. Nach 50 Jahren wurde erstmals ein Fenster geöffnet. Uns hat der Saal bereits verzaubert.

Workshop: Ideen für die Zukunft des alten Fiegeschen Saals

Am 27.9. von 17.00-19.30 Uhr bietet RoBiNet im Sellenfried 1 einen ganz besonderen Workshop an: Jung und Alt, Neubürger und alteingesessene Rosdorfer sind herzlich eingeladen, den wunderschönen, über 100 Jahre alten Saal der ehemaligen Gaststätte Fiege (rechts hinter der Musikschule Musi-Kuss) zu besichtigen und ihre Ideen für die künftige Nutzung beizusteuern. Denn im Vorfeld der geplanten Renovierung ist es unerlässlich, eine Vorstellung davon zu entwickeln, was hier im Herzen unseres Ortes alles angeboten werden könnte: Ausstellungen, Lesungen, Theateraufführungen, Konzerte oder Yogakurse? Soll es Tischtennisplatten geben? Eine extralange Murmelbahn? Ein kleines Ortsmuseum? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Von 17.00-17.30 Uhr ist Zeit für die Besichtigung des Raums vorgesehen. Anschließend werden wir nach einer kurzen Einführung die Ideen der Teilnehmer sammeln und eine „Hitliste“ der beliebtesten Vorschläge aufstellen.

Für Kaffee und kalte Getränke ist gesorgt; Kinder sind herzlich willkommen!

Gerne können Ideen auch über die Kommentarfunktion am Endes dieses Artikels gepostet werden.

Rückfragen und Kontakt: Ralf und Ute Lesjak, Tel. 3811158, Ruth Finckh, Tel. 781684

Jahrhundertwende Gedichte im Jahrhundertwende Saal

von Ruth Finckh

Am 9.7.2019 erlebte der historische Saal der früheren Gaststätte „Deutsches Haus“ (jetzt Musi-Kuss) eine unerwartete Neu-Einweihung. Jahrzehntelang hatte er nur als Lagerraum gedient und kaum menschlichen Besuch erhalten. Nun war er von Gerümpel weitgehend befreit worden, und an diesem Nachmittag strömten 25 neugierige Senioren vergnügt plaudernd durch die Tür, bestaunten die gut erhaltene historische Wanddekoration und genossen die einzigartige Atmosphäre. Schließlich ließen sie sich an vier Holztischen nieder, die mitten auf der früheren Tanzfläche aufgebaut worden waren. Der Grund ihres Besuchs waren Gedichte. Die Gäste waren nämlich Teilnehmer zweier Seniorenseminare von Ruth Finckh an der Universität des Dritten Lebensalters (UdL). Eines dieser Seminare beschäftigte sich mit Schriftstellerinnen aus der Epoche um 1900 – also aus der Entstehungszeit des Saals. Nun hatte man beschlossen, die Gedichte von Else Lasker-Schüler (1869-1945), einer Freundin des Malers Franz Marc, in einem passenden historischen Ambiente zu lesen. Das Experiment gelang. Die Texte entfalteten in dieser Umgebung eine zusätzliche Intensität und Leuchtkraft. Besonders anrührend fanden viele das Gedicht „Weltflucht“:

Weltflucht
Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht – ist’s schon zu spät zurück!
O, ich sterbe unter Euch!
Da Ihr mich erstickt mit Euch.
Fäden möchte ich um mich ziehn –
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Um zu entfliehn
Meinwärts!

Man
sprach über das Bedürfnis nach Alleinsein, das in diesem Text zum Ausdruck kommt, über die Form der Gedichte und viele andere Themen. Die lebhafte Diskussion erfüllte den alten Raum spürbar mit Leben. Daher freuten sich die Teilnehmer besonders darüber, die ersten zu sein, die ihn nach seiner Schließung vor 50 Jahren wieder für eine Kulturveranstaltung nutzen durften. Als Ute Lesjak, die Miteigentümerin, von den Plänen zu einer Renovierung berichtete, stieß sie auf große Begeisterung bei den Gästen. Vielfach wurde der Wunsch geäußert, über das Schicksal des wunderschönen Saals auf dem Laufenden gehalten zu werden und eine spontan herumgereichte „Spendentasse“ kam gut gefüllt zurück.