{"id":346,"date":"2015-11-28T23:36:18","date_gmt":"2015-11-28T21:36:18","guid":{"rendered":"http:\/\/robinet-rosdorf.de\/?p=346"},"modified":"2015-11-28T23:36:18","modified_gmt":"2015-11-28T21:36:18","slug":"im-krankenhaus-mit-raah-aus-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/robinet-rosdorf.de\/?p=346","title":{"rendered":"Im Krankenhaus mit Raah aus Syrien"},"content":{"rendered":"<p>von Ralf Lesjak<\/p>\n<p>Bei einem Krankenhausaufenthalt im Universit\u00e4ts Klinikum G\u00f6ttingen habe ich 4 Tage mit einem syrischen Fl\u00fcchtling in einem Zweibettzimmer verbracht. Vom Pflegepersonal wurde ich in das Zweibettzimmer gebracht und bekam lediglich die Information, dass er nur arabisch spr\u00e4che. Nun waren wir erst einmal allein. Wir l\u00e4chelten uns an. Ich sprach ihn auf Englisch und Deutsch an und versuchte \u00fcber Gesten, meinen Namen zu vermitteln. Er tat das gleiche auf arabisch. Wir verstanden nichts und mussten lachen. Nun schrieb ich meinen Namen auf Papier, er seinen auf Arabisch. Erst als er mir seinen Pass zeigte, wusste ich, dass er Raah hei\u00dft und 32 Jahre alt ist. So kommunizierte ich auf englisch und deutsch mit Gesten und Rhaa auf arabisch mit Gesten. Ich erfuhr, dass er aus Duma in der N\u00e4he von Damaskus mit seiner Frau und drei Kindern vor kurzem geflohen war. Er deutete russische Bombenangriffe an, welche sein Wohnhaus und seinen Fris\u00f6rsalon, den er seit 18 Jahren betrieb, zerst\u00f6rt h\u00e4tten. Duma, ein Vorort von Damaskus, ist einer der am h\u00e4rtesten umk\u00e4mpften Regionen Syriens und inzwischen nahezu vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Da wir wir beide ein Smartphone hatten, richtete ich bei ihm das WLAN ein, damit er mit seiner Verwandschaft in Bremen kommunizieren konnte. So erfuhr ich, dass er angeschossen wurde und auf seiner beschwerlichen Flucht eine halbseitige Gesichtsl\u00e4hmung und eine starke Bronchitis davongetragen hatte. Er war \u00fcber Hannover nach Wollershausen und danach \u00fcber Friedland ins Krankenhaus gebracht worden. Bei der Aufnahme half ein arabischer \u00dcbersetzer, danach musste er allein zurechtkommen, da f\u00fcr das Pflegepersonal und die \u00c4rzte keine Zeit bleibt, um Sprachbarrieren zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Durch moderne Apps , wie \u201e<a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=com.google.android.apps.translate&amp;hl=de\">google translate<\/a>\u201c\u00a0 ist es m\u00f6glich ins Telefon zu sprechen und eine arabische \u00dcbersetzung zu erhalten. So war es uns m\u00f6glich, uns auszutauschen. Wir sa\u00dfen oft beim Essen zusammen und sprachen in unsere Handys. So eine \u00dcbersetzung ist selten perfekt und f\u00fchrt daher oft zu Heiterkeit. Aber auch das ist Kommunikation.<\/p>\n<p>Zum Ende der Woche ging es Raah besser, so dass er entlassen wurde. Spontan umarmten wir uns bei der Entlassung. Ich bin inzwischen auch wieder zu Hause und hoffe, dass es ihm und seiner Familie gut geht. F\u00fcr mich hat sich gezeigt, dass auch ohne die gleiche Sprache Kommunikation und menschliche N\u00e4he m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Schenke eine L\u00e4cheln und du wirst eins zur\u00fcckbekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ralf Lesjak Bei einem Krankenhausaufenthalt im Universit\u00e4ts Klinikum G\u00f6ttingen habe ich 4 Tage mit einem syrischen Fl\u00fcchtling in einem Zweibettzimmer verbracht. Vom Pflegepersonal wurde ich in das Zweibettzimmer gebracht und bekam lediglich die Information, dass er nur arabisch spr\u00e4che. Nun waren wir erst einmal allein. Wir l\u00e4chelten uns an. 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